statt heilig stumm

Euch alle schon gesehen, im Strom der Jahrhunderte, in denen ich in deinen Mauern gelebt, durch die Welt gegangen, gesammelt die Gesichter, die immer gleich, kehren immer wieder, wie die Jahrhunderte, die Kämpfer, die an deine Tore klopfen, gegen deine Mauern rennen. Und doch ein jeder anders, unbekannt, kenne ich euch, werde gegrüßt, als wäre ich immer da, nie weg gewesen, war ich noch nie hier. Ein kurzes Nicken, Mann mit grauen Schläfenlocken, Kaftan, schwarzer Hut mit breiter Krempe, Shalom, ja, du kennst mich, ich dich, doch lang ist’s her. Wo? An wen erinnere ich dich? Woran?

Hinein ins Tingeltangel. Bis spät in die Nacht wird gebetet und gepriesen eines jeden Gott, Messias, Prophet, und schon früh, wenn die ersten Pilger den Gott begrüßen; wie gut dass diese Steine stumm. Händler fragen, wie man Neueröffnung schreibt. Komm hinein und schreibe es für mich. Und betrachte Silber, Opale und Krimskrams aus poliertem Blech.

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert.
Sie sind blind geworden vom Gold und Silber und den Glasperlen der Händler hundertfach.

Erkenne sie alle wieder, das Spalier der Neugierigen, der Händler und Soldaten mit den langen Waffen, langen Zähnen, langer Weile.

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert. Sie sind stets zum Sprung bereit.

Verloren in den Gassen, jede so alt, wie die Erinnerung an die Gesichter. Shalom. Viele grüßen, frühere Nachbarn vielleicht auch gar nicht so alt geht doch gar nicht.
Sir, where do you want to go? I’ll bring you.
I don’t pay for it.
It’s closed.
Only for Moslems.

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert. Sie sind taub geworden vom Tingeltangel und Gebeten und den Anquatschern.

Klagen andere an Mauern, durchschleust von Touristen, drolliges Spektakel immer schon gewesen. Die Steine, so alt und groß; die Gassen eng, al Aqsa, wie kann man mit diesen Steinen Intifada machen.

Wie gut, dass diese Steine stumm, am Ende, in weiteren Jahrtausenden des Verhökerns und Verarschens, Vertreibens und Vernichtens, erobern die heilige Stadt für den nächsten heiligen Krieg um Al Quts und den nächsten Kreuzzug, Ritter, die an die Mauern rennen mit EU Subventionen ausgestattet, sagen, wie gebaut und verkauft werden darf.

Wo sind die Wächter auf deinen Mauern? Unsichtbar die Wachen auf den Mountainbikes, treppauf, treppab auf deinen Dächern.

Wenn’s hilft…

Die Abkürzung zur Klagemauer geht durch meinen Laden. Sie müssen auch gar nichts kaufen. Vielleicht einen Kaffee trinken. Doch bitte, oder einen Tee.
Das ist Gastfreundschaft.
My friend.
I show you something, you don’t have to buy, just looking.
Something you’ve never seen before.
The short cut to the jelling wall.
It’s easy. I show you. It’s through my shop.

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert. Sie sind stumm wie die Steine.

Und haben doch gesehen die Kreuzzüge, an denen ich nicht beteiligt war. Aber, war ich nicht schon einmal hier. Warum grüßen mich die Alten, die mich zu kennen scheinen, die nie meine Nachbarn waren. Shalom. Treffen wir uns immer wieder durch die Jahrhunderte und Schlachten um das immer gleiche. Wahrheit.

Kreuzzug im Jahrhundert nach dem Holocaust.
Wann auch sonst.
Kämpfen immer wieder, Stück um Stück, das Land frei, das sie heilig nennen.
Kämpfen sich durch in die Köpfe.
Vergiften.
Wollen nie wieder kampflos verlieren.
‘s wird nie zu Ende gehen.
‘s muss einer verlieren.
Auch das deutsche Schuld.

Ist das die Wunde der Stadt?
Ich war dort nie.
Dann fahre.
Was soll ich dort. Ich war längst da.

Bin ich ihr, wenn meine Haare zerzaust und Locken hängen von meinen Schläfen nach dem Regen, sehnsüchtig erwartet in der Wüste. Werd’ ich ihr, wenn plötzlich ich diese Brillen schick finde. Werdet ihr auch ich, wenn wir rasen durch die Tunnel der Vergangenheit.

Rasen durch die digitalen Welten.

Rasen wir nach Osteuropa; wo alle ihr mal herkamt, wo wir nicht werden, nie waren, nicht sind. Ich Du. Einst mit dem Gesicht, der Frisur, der Brille. In den 70er Jahren in sowjetischen Kinderfilmen haben wir gelebt in den Häusern hoch, in kleinen Wohnungen glücklich im Idyll am Rand großer Städte. Hab gelegen im Krankenhaus am Rande der Stadt, Irrenhaus derer, die nicht mehr wollten, nur frei sein, und sonst gar nichts, und nie konnten, jetzt auch nicht, Opfer des Cowboykapitalismus, des sich ewig erbrechenden Ostens mit den Aromen in den Treppenhäusern aus Verwesung, Sperma, Müll, in denen sich die Katzen erhängen. In der Tiefe der Steine sausen wir durch die Zeit. Bis nach Galiläa. Unter den Bergen hindurch, den Flüssen, dem Meer, ohne Freiheit; in den Lüften liegt man nicht eng, zusammen gezwängt im Feierabendverkehr, heute rush hour genannt, in der Metro in die Stadt, in der jeder
ich bin mehrfach
anders ich
ihr
kennen uns
nie getroffen
lang
oft

ruhe am ende in den Steinen stumm
die Steine sehen anders aus
gleich
grau

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert. Sie sind gefallen. Welche Spuren hinterlässt du in der großen Stadt, wenn du sie verlässt. Wer wird sich an mich erinnern im Strom der Jahrhunderte in der Zeit der Bilder und explodierenden Archive. Oder verschwindest du einfach, stirbst, keiner weiß, was du gemacht hast. Es wird entrümpelt.
Wer bestimmt am Ende, wer die Stadt zeichnet? Wer hinterlässt die Bilder, die später dann für Wahrheit gehalten werden in einer Zeit, die noch nicht vergangen.
Fährst die Straßen ohne Sinn: Ruinen, Schrott. Abbruch als Vision konserviert den Übergang nur dadurch
Kälte
Stadt
Laufe über polierte Trümmer auf der Suche nach mir selbst.

Aufgestaute Hysterie im Verkehr voller Platz Skelett der Stadt in Stein Knochen des Seins Stahlträger Adern verhindert was zusammengepfercht im kopflosen Organismus poliert sich die Fresse ohne Sinn und Verstand werden Lücken geschlossen Wunde geklammert rast das Blut rauscht und laut der Schrei der zusammenbrechenden Neubauten wenn Pflastersteine fliegen und überall der Schrei nach Stabilität bei dem Geld keine Rolle spielt in gelben Würmern durch die Stadt grau still einsam nie allein unendlich selbstverletzt

Das 20. Jahrhundert insgesamt war antiästhetisch. Ich sehe das ein, aber einsehen, warum das so ist, kann ich nicht, ich will nicht, lehne ich ab.

Wo gehst du hin, Junge.
Nach B.
Was willst du dort, Junge.
Feiern.

Wirfst ab das Joch der Religionen vielfach doch immer gleicher Mist darf man nicht sagen Blasphemie doch immer mehr als der Phosphorheiland Christuskitsch beleidigt die Pilger

Hey Mister, I have some holy water for you.
Direkt aus der Leitung, leichtes Aroma von Chlor und Ewigkeit im feuchten Abwassersystem mit Ratten tausend Jahre alt und weise. Nur Mist geht nicht, war doch der Weg zugekotet von den Eseln einst, den Schafen, Römern, den Pilgern, Kreuzrittern, Juden immer einst und doch die gleiche Scheiße in jedem Jahrhundert.

ich unterschreibe alles verzeihen sie bitte aber ich unterschreibe alles alles bitte ich möchte jetzt mein geständnis unterschreiben alles unterschreibe ich ich unterschreibe alles bitte bitte…

Jerusalem: ICH HABE TOILETTEN AUF DEINE MAUERN GESTELLT! Pissen die Soldaten, sterben. Für immer die gleiche Scheiße. Jerusalem. Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert, doch sie reichen nicht aus beim Wahnsinn des immer Gleichen, Joch der Religionen voller glorifizierter Leiden in der Abfolge der Propheten Messiasse, die doch nie dein Tor geöffnet.

Warten sie alle auf den Messias. Seit Jahrhunderten vergeblich. Kamen doch nur die Wahnsinnigen zu erstürmen die Mauern alt und brüchig.
Deine Wächter weisen mir den falschen Weg am Ort ohne Geist, längst vertrieben von der Pilger Scharen, die gelatscht und gekauft, gelacht und gebetet, zerstört und Geist in sich verspürt, den ich nicht finden kann an diesem Ort
statt
heilig
stumm
schreit jeder mich an: Römer, Christen, Moslems, Juden, verloren an die Krämer und Verticker, Reinquatscher und Verarscher, falschen Propheten, Bettler, Straßenmusiker und Vorbeter.

Machen uns auf. Hinaus in die Welt. Verlassen die Mauern. Steine. Immer auf der Suche nach Glück, Reichtum, Thrill.

Wo gehst du hin, Junge.
Nach B.
Was willst du dort, Junge.
Arbeiten.

Eiterfluss durch enge Gassen, ausgerechnet an Ostern. Postdramatische Belastungsstörung im Raum von B. Erobert und befreit.

Blauer Himmel, ein paar Wolken. Berliner Luft – Hundescheiße, Linden. Pissen. Als das Kind ein Kind war – Stadt des Gewichses. Ich auch. Sprachwichser. Unheilig. Der Papst soll bleiben, wo der Pfeffer wächst, so er dort weniger schadet als in Rom. Ewige Stadt des Phosphorheilands. Wächter, lasst ihr mich hinein, ich bin’s, Gottes Stellvertreter auf Erden. Ich bin gekommen, um Recht zu haben. Demütig ich kleiner Mensch, Brandstifter, Menschenverachter, Vertröster aufs Jenseits.

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert. Großzügig sind sie, lassen viele hinein, auch er nur einer von vielen, die in den Jahrhunderten kamen, um die Stadt mit sich selbst zu segnen. Vergessen die meisten. Mörder alle.

Eiter in den Straßen, längst getrocknet, weggelatscht, verregnet. Leichenduft, längst geatmet, verweht.
Verkrustet die Vergangenheit.
Braun vom Grind.

Habt ihr das Echo gehört, Wächter?
Welches Echo? Das deutsche. Prallt es ab an den Mauern, auf denen ihr steht?
Die Luft ist voll davon. Habt ihr vernommen, das die Welt seitdem eine andere?
Nicht die Welt.
Die Stadt doch und das Land.
Die Ewigkeit ist nichts für dich.

Humorlos: Schuld, Blut, Sünde. Ewigkeit. Das muss man aushalten.
Armut, Keuschheit, Gehorsam.

Macht euch auf, ihr alle zurück in die Stadt, die niemandem gehören darf. Deren Steine unter der Bürde ächzen. Blast in die Hörner, die Trompeten, lasst die Mauern erzittern.

Ich habe Wachen auf deinen Mauern postiert. Sie sind taub geworden von der vielen Hörner Klang und gefallen in den Abgrund hinter deinen Mauern, hinein in die Grube, die niemanden wieder hergibt, der sich jemals bekannt hat.

Hütet euch, euch jemals zu bekennen.

Wo kommst du her, Junge.
Aus B.
Was tust du dort.
Arbeiten.
Und, Junge. Geht es dir dort gut.
Es geht.
Nimm so viel du kannst, Junge.
Ja.
Kommst du zurück.
Ich muss. Irgendwann.

Der klassische Konflikt stellt sich im 21. Jahrhundert anders da. Das wahre Problem unserer Zeit sind die Leute in den warmen Büros. Bei ihnen laufen alle Informationen zusammen. Es ist deshalb notwendig, die Aufmerksamkeit dieser Menschen zu schärfen. Auch muss ihnen die Angst vor Grenzüberschreitungen genommen werden. In den Büros herrscht teils noch eine antiquierte Moralvorstellung, die mit der Realität draußen nichts mehr zu tun hat. Erst die perfekte Kooperation derer, die an vorderster Front die Freiheit verteidigen, mit denen, die geschützt werden müssen, um den Reichtum der westlichen Welt zu mehren, ihre Familien zu unterhalten und das christliche Sozialgefüge der toleranten westlichen Gesellschaften zu festigen, wird uns zu Land, zu Wasser, in der Luft, am Schreibtisch und am Geldautomaten zum Sieg verhelfen.

Wo zur Hölle wandern die, die nicht verwesen dürfen. Wiedergänger des Kultes. Religion längst auch. Wechsel nur die Stadt, die Mauern, die Steine, rot. Wenn die Autos vorfahren, nachts. Der Aufzug. Stoppt. Auf einer Etage. Welcher. Leer. Die Treppenhäuser stumm. Metallgitter. Stummer Schrei nach Endlichkeit.

Sie haben dir einen neuen Namen gegeben. Ich habe aber Wachen auf deinen Mauern postiert. Den ganzen Tag und die Nacht werden sie nicht mehr schweigen können. Denn die Liebe zu den Kindern, des Gottes…
Welches denn nun eigentlich?
…wird die Kinder lieben wie die Kinder und die Menschen, wie Mann und Frau und die Stadt, wie sich selbst.

Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei dem Arm seiner Macht:
Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben. Noch deinen Most, daran du gearbeitet hast.
Die Fremden trinken lassen.
Die, so es einsammeln, sollen’s auch essen.
Und den Herrn rühmen.
Und die ihn einbringen.
Sollen ihn trinken.
In den Vorhöfen meines Heiligtums.

Wache?

Gehet hin, gehet hin durch die Tore!

Bereitet dem Volk den Weg!
Machet Bahn, machet Bahn!
Räumet die Steine hinweg!

Stumm?

Räumet die Steine hinweg!
Sie sind beredt doch stumm.
Werft ein Panier auf über die Völker!
Siehe, der Herr lässt sich hören bis an der

Tödlicher Stein. Wache?

Wir haben als Wächter nur Engel eingesetzt.
Wir haben ihre Zahl nur zu einer Versuchung gemacht für diejenigen, die ungläubig sind.
Damit diejenigen Überzeugung gewinnen, denen die Schrift gegeben wurde, und damit diejenigen, die glauben, an Glauben zunehmen. Damit diejenigen, denen die Schrift gegeben wurde, und die Gläubigen nicht zweifeln.
Damit diejenigen, in deren Herzen Krankheit ist, und die Ungläubigen sagen:
„Was will denn Allah damit als Gleichnis?“

Ich hatte Wachen auf den Mauern postiert.

So lässt Allah in die Irre gehen, wen er will, und leitet recht, wen er will.
Niemand weiß über die Heerscharen deines Herrn Bescheid.

Nur er.

Ich habe Wachen auf meinen Schultern postiert. Nur für dich.

Läufst über mich mit aller Kraft. In voller Gewissheit, mich nicht zerstören zu können. Nicht mal zu verletzen. Nimmst mich mit zu dem, was du gern Arbeit nennst. Und endlich auch in deine Wohnung, die du nicht hast in den Jahrhunderten, immer wieder verlierst, das Heim, die Heimstadt. Nächstes Jahr?
Mit der Kraft des Kleinen kämpfst du an gegen die tausend Jahr Mythen, Lügen, Hoffnung, Leid und Hass, des Glaubens und Verrats.
Nicht mal im Felde durft’ ich für dich fallen?
Massenmord vererbt ins Kinderlachen. Wie schnell die Erinnerung getrübt vom Staub der Welt, gebrannt zu Stein und alt und stumm in den Jahrhunderten, in denen wir uns uns nicht gesehen, in denen wir uns wieder treffen. Gesichter, bekannt, doch nie begegnet. Waren auch wir einst beisammen. Erste Berührung seit Jahrhunderten, schon vertraut. So war es immer schon. Gehören zusammen, ständig müssen wir uns neu kennen lernen, lieben lernen zwischen Steinen zu mächtig. Sagen uns nicht, wer wir sind.

Die Stadt schreit.
Ich brülle zurück.

Wache, nehme auf deine Schultern die Verantwortung.

Die Unschuld weicht aus deinem Lachen. Stille kehrt ein für viele Jahre, Sekunden nur. Du spielst mit Steinen, verlegen. Staub im Gesicht. Dreck unter den nackten Füßen. Hopst noch einmal. Stolperst. Nun weißt du. Und ich werde nie erfahren, ob Erinnern angeboren. Es ist immer die gleiche Scheiße. Es gibt keine Erkenntnis im Lauf der Jahrhunderte.

Tunneltrauma. Steigen sie ein in den Untergrund vor dem Reichstag. Treffen sie Menschen, von denen sie nichts wissen können.

Junge?
Ja, Großvater…
Ist alles in Ordnung?

Ich habe Angst.
Wovor?
Vor dir in mir und allem, von dem ich nicht weiß, dass ich es weiß.
Achte auf den Weg, Junge. Es gibt dort viele Abzweigungen. Den Tiergartentunnel, die Bernauer Straße. Sarajevo. Bis Gaza. Kommst du mit mir, du kennst den Weg, warst schon in den Tunneln von Ost nach West, von Nord nach Süd, auf dem Weg zum Flugplatz, unter den Häusern der neuen Stadt, gebaut wie einst zu Babel, und doch nur Hochhäuser in B. Überbaut die Wunden der Kriege in Europa, auf dem Balkan eitert noch die Wunde. Der Grind nur übergossen mit Spritzbeton, zugemauert mit neuen Steinen, rotem Klinker in den Fassaden. So heilt es nicht. Wie lange halten diese Steine. Reden sie doch, ohne zu sprechen. Ruhe findest du nicht in der Wüste, in der du geblendet atmest. Erst in der Leere wirst du die Schuld erkennen. Und hüte dich, dass du nicht weg gespült wirst.

Und dann rocken wir die Stadt. Sind Helden für einen Tag.

Schmerzhafter Schreibprozess. Stummer Schrei. Papier gegen Stein. Mit dem Gesicht des Alten schreit das Kind gegen Papier und Steine.

Schere, Stein, Papier.

Ey, hast du mal ein bisschen Kleingeld für mich? Ich bin schon die ganze Straße rauf und runter. Nichts hat geklappt. Ich weiß jetzt echt nicht weiter. Nur ein paar Cents, das wär echt nett.
Ich wohn da im Park mit meinem Freund.
Sonst verkaufen wir immer die Zeitung zusammen mit meinem Freund. Aber heute klappt echt nichts.
Ich mein, das ist wie Zigeuner. Gibste Wohnung. Wolln se nicht. Wolln wieder so wie vorher. Pfst.
Das heißt Sinti und Roma.
Ja, Mann. Ich weiß, ihr habt da echt n Problem.
Ich bin mit Zigeuner zur Schule gegangen. Die wolln echt so leben und dann pfst.
Aber die im Park sind arm dran. Ich treffe die täglich.
Aber wolln so leben, oder. Kommen jeden Tag hierher.
Wie war die Birne, Mann?
Hab ich der gegeben und n bisschen Geld.
Echt. Sieht lecker aus.
Ist es nicht zu früh für Birnen.
Nee, ist ne Frühernte.
Muss ich die fragen, wies geschmeckt hat.

Und dann?
Ich schreibe.
Was, Junge?
Ich schreibe Worte, die andere vorher gedacht haben.
Kannst du davon leben?
Die Worte sind da. Ich bin für sie nicht wichtig. Sie kennen mich nicht. Sie nehmen mich nicht wahr.
Kannst du davon leben, Junge?
Es geht. Ich schreibe viel.
Junge, damit kommst du nicht weit.
Doch, ich bin bald weit weg.
Gehst du allein, Junge. Nein. Ich habe eine Frau. Ich gehe mit ihr.
Was sind 5 Jahre gegen dein Alter.
5 Jahre gehen vorbei.
Alles wird anders sein. Anders wird es erst, wenn ich euch nicht mehr treffe.
Das macht nichts.
Die Steine bleiben. Solange kein Wasser sie schleift. Ständige Friedenskacke, klappt nicht, wenns ernst wird. Geht keiner hin. Auch son Quatsch. Und die Selbstbestimmung des einzelnen. Horizonteinschränkung durch Friedenspädagogik. Danke für den Hinweis. Ich war 19, als ich daran geglaubt habe. Die meisten Soldaten, die im Krieg sterben sind wohl 20. Auch das die immer gleiche Scheiße von Befehl und Gehorsam, Leben und Tod. Was solls, wenn wir uns doch stets wiedersehen, Shalom.
Kein Problem kleine Flaschensammlerin mit deinen unruhigen Augen und nervösen Schritten suchst du 15 Cent sind es gar 7 hab das Maß vergessen siehe es geht mir gut habe mich entwickelt sonst wüsste ich’s nimm’s mit gehst die nächste Runde kein Problem schön bist du zu jung für so ein Leben habe ausgetrunken für dich danke schön gern auf den Steinen die nie Brunnen waren mit dem ernsten Gesicht du bist zu jung dafür

Schneeketten und ab durch die Mitte Salzstreuen immer vorn raus aus dem Fenster einmal zum Jobcenter und zurück ich krieg euch ihr Schweine wir sehn uns morgen Tschüssie

Sind das deine Freunde, Junge.
Und wenn schon.

Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Siehe, sein Lohn ist bei ihm, und seine Vergeltung ist vor ihm! Man wird sie nennen das heilige Volk, die Erlösten des Herrn, und dich wird man heißen die besuchte und unverlassene Stadt.

Mister, I don’t understand. Do you want to see my shop.

Hinaus. Weg. Habe Wachen auf deinen Mauern postiert.
Habe meine Freunde verloren.
Habe meiner Mutter ins Gesicht gespuckt.
Hab nie geschwiegen, als die Wachen längst verstummt.

Es riecht nach verbranntem Fleisch.

Ich streue ihre Asche auf den frischen Schnee.
Ich male ihre Gesichter in den schwarzen Schnee.
Ich schreibe Namen in den nassen Staub, der von ihnen übrig geblieben ist.
Nur deinen Namen, schreibe ich nie wieder.